Die Mädchengruppe zu Besuch im Laden „Kleine Freiheit No 1“

Wir, die Mädchengruppe der Stadtteilschule St. Pauli haben heute den Modeladen „Kleine Freiheit No 1″ besucht, um rauszufinden, wie die Arbeit in so einem Laden abläuft.

Dort trafen wir Kadda Diedrich, Sarah Beutling und Jenny Kurth.

Wir haben den 3 Frauen mit eigenen Mode- und Schmucklabels Fragen gestellt und einiges für euch rausgefunden.

 

Wie seid ihr dazu gekommen einen eigenen Laden zu eröffnen?

Wir haben es einfach gemacht. Einige von uns haben Modedesign studiert und/oder selbst lange in Läden gearbeitet. Wir haben genäht und designt und irgendwann einfach den Mut gefasst und zu viert den Laden eröffnet.

Zwei der vier ursprünglichen Gründerinnen sind immer noch dabei und zwei neue sind mittlerweile dazugekommen.

Die Konstellation ist also eine andere, aber wir sind immer noch zu viert.

 

Kadda Diedrich mit dem Label Ethel Vaughn (http://ethelvaughn.com/)

Sarah Beutling mit dem Label XXII (iksi) (http://www.handmadeinstpauli.com/blog/

Jenny Kurth mit dem Label Jonneygold (http://www.jonneygold.de/)

und die Grafikdesignerin Astrid Nielen (http://www.astran-design.com/) teilen sich den Laden.

 

Wieso heißt euer Laden eigentlich „Kleine Freiheit No 1?

Wir haben lange überlegt und sind zu einem einfachen Ergebnis gekommen, auf das wir uns alle einigen konnten. Der Laden heißt kleine Freiheit No 1, weil er sich in der Straße „Kleine Freiheit“ auf St. Pauli befindet und die Hausnummer 1 hat.

 

Wie lange habt ihr den Laden schon?

Den Laden gibt es seit 5 Jahren, 2011 war unsere Eröffnung.

 

Was genau verkauft ihr in eurem Laden?

Es gibt bei uns Kleidung, Unterwäsche, Schmuck und Accessoires.

 

Wie viele seid ihr?

Wir sind 4 Personen und teilen uns die Arbeit auf, haben jedoch noch weitere Labels auf Kommission im Laden. Das heißt die Sachen werden hier angeboten, Geld bekommen die DesignerInnen, wenn ein Kleidungsstück oder Accessoires verkauft wird. Das Risiko ist somit geringer, da man nicht in Vorkasse treten muss.

 

Habt ihr eine Ausbildung zu eurem Job gemacht und wenn ja, welche?

Sarah: Ich nicht, ich  habe etwas ganz anderes, nämlich Friseurin gelernt.

Kadda: Ich habe Modedesign studiert und Astrid, die heute leider nicht dabei sein kann, hat Grafikdesign studiert.

Jenny: Ich habe auch Modedesign studiert.

 

Wie setzt sich eure Arbeit genau zusammen?

Aus allem. Die Langweiligen Dinge wie Buchhaltung gibt es natürlich. Dann Werbung und PR, dazu gehören zum Beispiel Flyer, Internetseite, Pressearbeit.

Dann natürlich das Designen, das Nähen, das Einkaufen von Stoffen, Produkten und so weiter und zu guter Letzt der Kundenkontakt.

 

Schneidert und entwerft ihr die Kleidung komplett selbst?

Ja, die meisten Sachen im Laden sind von uns selbst geschneidert und entworfen. Manchmal wenn sich die Teile besonders gut verkaufen, lagern wir das Nähen schon mal aus und lassen von Schneiderinnen produzieren. Das Entwerfen liegt aber in jedem Fall bei uns.

 

Könnt ihr vom Betreiben des Ladens Leben?

Ja, aber sehr knapp, bzw. unterschiedlich. Einige von uns können davon besser Leben, bei anderen ist es noch nicht so gut angelaufen. Außerdem gibt es gute Monate in denen wir mehr verkaufen,  es sind jedoch auch immer mal wieder schlechtere darunter. Die meisten von uns arbeiten noch zusätzlich freiberuflich z.B. Modedesign und Styling, Zeichnungen für Film oder Grafikarbeiten. Teilweise werden unsere Klamotten auch noch in anderen Läden verkauft, was unsere Einnahmen natürlich steigert.

Es gab Zeiten da haben einige von uns noch in anderen Jobs arbeiten müssen. Es war nicht immer einfach. Wir werden nicht reich davon, aber der Job ist auch eine Art Traum und wir machen ihn für uns.

 

Also macht die Arbeit euch Spaß?

Klar, total, also fast immer. Manchmal gibt es auch anstrengende Dinge, wie zum Beispiel Blasen an den Händen vom Lederschneiden oder Rückenschmerzen. Die Arbeit mit Kunden ist auch nicht immer einfach. Sie macht zwar Spaß, aber es ist manchmal schwierig die Wünsche erfüllen zu können, ohne das Eigene aus den Augen zu verlieren. Da muss man dann auch mal Nein sagen können.

 

Macht ihr viele Extraaufträge und Wünsche für Kunden?

Wir machen in der Regel keine extra Schnitte für Kunden, da es sehr aufwendig ist und extrem viel Arbeit. Das kann sich fast niemand leisten. Wir ändern jedoch Kleidung für Kunden oder suchen gemeinsam Stoffe aus. Es macht dann auch richtig Spaß, mit den Kunden zusammen zu arbeiten. Manchmal verdient man auch kaum etwas an einem Projekt, aber die Mühe lohnt sich trotzdem für ein tolles Ergebnis und ein tolles Erlebnis.

 

Wieviel müsst ihr in den Laden investieren ist die Arbeit sehr anstrengend?

Wenn man ein Label und einen Laden hat, ist man immer beschäftigt. Man kann grob sagen, dass wir Minimum 45 Std in der Woche mit unserer Arbeit beschäftigt sind. In den Öffnungszeiten muss immer mindestens eine von uns hier sein. Wenn der Laden offen ist, sitzen wir in der Regel hinten an unseren Arbeitsplätzen. Wenn jemand kommt, bedienen wir die Kunden. Das Gute ist, wir sind zu viert und teilen uns die Arbeit. Das ist nicht nur einfacher, sondern macht auch mehr Bock.

 

Habt ihr denn selbst auch Kinder?

Sarah: Ja, ich habe eins.

Kadda: Bei mir sind es zwei.

Jenny: Ich bin die einzige ohne Kind.  Astrid hat auch eins.

 

Klappt das gut mit den Kindern und der Arbeit? Lässt es sich vereinen?

Unterschiedlich! Wir sind ja zum Glück zu viert und können uns gegenseitig super aushelfen und unterstützen, aber wenn das Kind dann mal krank ist und unglücklicherweise auch noch eine von uns im Urlaub, dann ist das schon frickelig manchmal.

Wir arbeiten sehr freundschaftlich zusammen und teilen uns die Arbeit. Das Gute ist, wir können die Kinder oft mit in den Laden nehmen. Wir können selbst entscheiden, wie wir arbeiten wollen.

 

Wir sind ja eine Mädchengruppe, genau wie ihr. Wir haben uns auch dazu entschieden, ist das bei euch genauso? Seid ihr bewusst nur Frauen?

Eigentlich nicht. Also wenn ein netter Typ vorbei kommen würde, der genau das macht was uns noch fehlt, würden wir nicht nein sagen. Unsere Kleidung ist ja auch unisex. Wir wollen Frauen und Männer ansprechen.  Das wir nur Frauen sind, hat sich einfach so ergeben und liegt eventuell auch daran, dass in der Modeszene in Hamburg, vor allem im Streetwear Bereich, eher Frauen arbeiten.

 

Der Nachmittag im Laden war sehr interessant und wir haben viel gelernt über Selbständigkeit und die Arbeit im Modebereich. Wir haben drei mutige Frauen kennengelernt, die ihr Ding durchziehen.

Vielen Dank dafür!

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Laden:

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